Mein Name ist Annelise Martins, ich wurde am 8. Mai 1957 in Obervaz, Graubünden geboren. Wegen meiner schweren Körperbehinderung und den damit verbundenen medizinischen Behandlungen musste ich die Schule in einem Heim in Zürich besuchen, fern von meinen Eltern und sechs Geschwistern. Nach der Ausbildung als Büroangestellte bezog ich in Zürich eine eigene Wohnung und arbeitete als Datatypistin.
Ich bin jenischer Abstammung, und obwohl ich nicht in dieser Kultur aufwuchs, entwickelte sich bei mir bereits im Kindesalter ein starker Spürsinn. So träumte ich frappierende Ereignisse im voraus oder spürte, wenn jemand verstarb.
In meiner Jugend begann ich mich für die Geschichte, die politische Situation, die Kultur und die Spiritualität der Nordamerikanischen Indianer zu interessieren und eignete mir ein umfangreiches Wissen über sie an. Ich trat "Incomindios Schweiz" bei, einer Organisation, die sich um die Belange der nordamerikanischen Indianer kümmerte.
1977 wurde eine Delegation nord- und südamerikanischer Indianer zur UNO nach Genf eingeladen. Incomindios organisierte den Aufenthalt der Ureinwohner Amerikas in der Schweiz. So lernte ich einige bekannte Führer des AIM (American Indian Movement) kennen und wurde Mitglied dieser Bewegung.
1978 reiste ich nach Washington D.C. und beteiligte mich am Longest Walk, einem Protestmarsch der nordamerikanischen Indianer, die von Kalifornien nach Washington D.C. zum Kapitol marschierten. Da Incomindios nicht politisch tätig war, gründete ich die "Red Arrows". Wir verstanden uns als politisch aktive Gruppe und sympathisierten mit dem AIM und Amnesty International. Während dieser Zeit kam ich das erste Mal mit Schamanismus in Berührung.
Der Leistungsdruck in der Wirtschaft und der ständige Existenzkampf raubten mir zunehmend die Kräfte. Ich konnte die Leistungsanforderungen als Datatypistin kaum mehr erfüllen und meinen Interessen und Fähigkeiten nicht genügend nachgehen.
Ich besann mich meiner Fähigkeiten und bot Tarotkurse an. Das Tarot begleitete mich einige Jahre, bis zum Tod meines ersten Hundes, Pina. Die Erlebnisse mit ihm und sein Schicksal bewogen mich, nach Amerika zu gehen und mich zur Assistenzhunde-Instruktorin ausbilden zu lassen.
1994 gründete ich den «Rollstuhlbegleithunde Verein Schweiz», später «Assistenzhunde Verein Schweiz». Ich bildete meine geliebte Deutsche Schäferhündin, Keva, zur ersten Assistenzhündin der Schweiz aus. Plötzlich entdeckte ich, dass ich mit Keva über tausende von Kilometern hinweg einen telepathischen Austausch pflegen konnte. Dieser bezog sich nicht nur auf ihr Wohlbefinden, ich konnte ihr auch Botschaften schicken. Mir wurde bewusst, dass sich zwischen Himmel und Erde mehr unter den Lebewesen abspielte, als wir uns vorstellen können. Ich las Rupert Sheldrakes Werk "Der siebte Sinn der Tiere" und stolperte über eine Fernsehsendung der Tierkommunikatorin Samantha Kurry in Kalifornien, USA. Meine ethische Haltung Hunden gegenüber brachte mich zur Überzeugung, Tiere als individuelle Wesen und als Geschenk der Schöpfung zu betrachten. Diese Einstellung veranlasste mich, die Tierkommunikationskurse von Susi Bucher in Merenschwand zu besuchen.
Auch reduzierten sich meine körperlichen Kräfte in den letzten Jahren so, dass es mir nicht mehr möglich war, Hunde weiterhin auszubilden. Die Gesundheit wurde zunehmend zum zentralen Thema. Mein Lebensweg begann den Kreis zu schliessen, am Anfang die Indianer und ihre Spiritualität, der Freiheitskampf für Minderheiten, und nun führte der Weg zurück zum Ursprung - dem Anfang und Ende - zurück zum schamanischen Pfad.
Für Minderheiten einzutreten zieht sich wie ein roter Faden durch mein Leben. Ich habe meine Behinderung immer als spannende Herausforderung und als Lehrmeisterin betrachtet und sehe den schamanischen Pfad als Berufung.
In diesem Sinne wünsche ich viel Freude beim Entdecken der Anderswelt.
Annelise Martins
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